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Im Keller gefunden...

Donnerstag, 8. September 2005

Der Sinn Des Lebens

Warum sind wir hier?

„Wer war ich denn? Und was? Von wannen gekommen und zu welchem Ende unterwegs? Unablässig beschäftigten mich diese Fragen, und doch war ich nicht imstande, sie zu lösen.“
Jedes des Denkens mächtige Wesen wird mit ziemlicher Sicherheit irgendwann einmal solche Frage stellen, oft ohne befriedigende Antworten darauf zu erhalten. Der Fragende in der oben genannten Situation befindet sich allerdings in einer ungewöhnlichen Situation. Er ist das Geschöpf von Victor Frankenstein in Mary Shelleys gleichnamigem Schauerroman. Und anders als uns Menschen gelingt es diesem Wesen, die Wahrheit über seine Herkunft und seine Erschaffung zu enthüllen. Bedeutet das, dass es den Sinn seines Lebens ergründet? Und könnten wir den Sinn unseres Lebens entdecken, wenn wir mehr über unsere Herkunft erführen?
Mit Frankenstein werde ich mich später noch einmal beschäftigen. Um die richtigen Antworten zu finden, müssen wir uns zuerst einmal über die Frage im Klaren sein.
„Was ist der Sinn des Lebens?“ könnte „Warum sind wir hier?“ bedeuten. Diese Frage ist jedoch nicht eindeutig und lädt zu zwei sehr unterschiedlichen Antworten ein. Die eine erklärt die Gründe unseres Daseins; sie bezieht sich auf die Vergangenheit und die Ursprünge. Die andere befasst sich mit dem Zweck unserer Existenz; sie bezieht sich auf die Zukunft und unsere Ziele, wie schon Aristoteles differenzierte. Ein Beispiel: Was in der Küche geschieht, ist der Ursprung meiner Mahlzeit, ihr Verzehr ist der Zweck.
Manchmal passen die beiden Antworttypen zusammen, das heißt der ursächliche Grund entspricht dem künftigen Zweck. Der Anlass für den Bau einer Straße ist beispielsweise identisch mit ihrer künftigen Verwendung als Verkehrsweg für Autos. Doch zwischen den beiden Fragen muss nicht unbedingt eine Verbindung bestehen. Denken Sie zum Beispiel an wilde Beeren, die die Menschen sammeln, um sie zu verzehren. Ihr Ursprung - wie sie entstanden - entspricht nicht dem Zweck, den sie für den Menschen haben, es sei denn, wir sagen, Gott habe die Beeren erschaffen, damit wir sie essen können. Doch gegen diese Art der Erklärung wehre ich mich aus Gründen, die ich noch erläutern werde. Fürs Erste sollten wir lediglich feststellen, dass die Antwort auf die Frage nach dem Ursprung von etwas nicht notwendigerweise der Antwort auf die Frage nach seinem zukünftigen oder gegenwärtigen Zweck entspricht.
Aus diesem Grund werde ich mich nun auf die Frage nach dem Ursprung menschlichen Lebens konzentrieren und darauf, was dieser uns über den Sinn des Daseins sagen kann.
Die Frage nach dem künftigen oder gegenwärtigen Zweck werde ich später stellen.


Ecken von Punkten auf Flecken auf Teilchen

In gewisser Hinsicht ist der Ursprung des menschlichen Lebens alles andere als mysteriös. Vielmehr gibt zwei große konkurrierende Theorienkomplexe, die beide viele Einzelheiten ungeklärt lassen, aber einen zufrieden stellenden Rahmen für unsere Betrachtung der Frage nach dem Sinn des Lebens liefern. Bei diesen beiden Theorien handelt es sich um den Kreationismus und den Naturalismus.
Kreationistische Theorien gehen davon aus, dass der Urheber des menschlichen Lebens ein übernatürliches, bewusst auf ein Ziel hinwirkendes geistiges Wesen ist. Naturalistische Theorien hingegen behaupten, dass das menschliche Leben sich als Teil eines ziellosen Prozesses entwickelte, nicht als Ergebnis eines intelligenten Plans. Dazu kommen Mischtheorien, zum Beispiel die, dass der Schöpfergott ein untrennbarer Teil der Natur selbst ist, nicht eine übernatürliche Macht, die von außerhalb wirkt. Doch auch diese Hybridtheorien lassen sich für unsere Zwecke entweder dem Kreationismus oder dem Naturalismus zuordnen, je nachdem, ob sie die Ursprünge des Lebens als Resultat eines bewussten Zwecks (Kreationismus) oder als das zielloser natürlicher Prozesse (Naturalismus) sehen.
Wenden wir uns zuerst dem Naturalismus zu. Mittlerweile gibt es aus naturalistischer Sicht eine Standartgeschichte über den Ursprung menschlichen Lebens. Obwohl nach wie vor über viele Details gestritten wird, sind sich die Forscher über die groben Umrisse einig. Diese Geschichte beginnt mit dem Urknall vor fünfzehn Milliarden Jahren, geht mit der Entstehung unserer Sonne zehn Milliarden Jahre später weiter und endet vorerst mit der relativ kurze Zeit zurückliegenden Entwicklung primitiver einzelliger Lebensformen und dem Auftauchen des homo sapiens vor gerade mal 600 000 Jahren. Befragt, wie Gott in dieses Bild passe, berufen sich die Wissenschaftler für gewöhnlich auf die Worte des französischen Forschers Laplace, der auf eine ähnliche Frage Napoleons die Antwort gab: „Eine solche Hypothese brauche ich nicht.“
Es erstaunt, wie bekannt diese Geschichte ist, wenn man bedenkt, dass die Belege dafür einer ganzen Reihe unterschiedlicher Disziplinen entstammen, einschließlich der Kosmologie, der theoretischen Physik, der Astronomie, der Biologie und der Biochemie. Die Beweise dafür, dass die naturalistische Sicht der Dinge im Großen und Ganzen stimmt, scheinen überwältigend zu sein. Mir geht es hier nicht um einen Nachweis ihrer Richtigkeit, sondern um ihre Implikationen für den Sinn des Lebens, falls sie stimmt. Viele empfinden diese Implikation als zutiefst beunruhigend.
Denn wenn die naturalistische Darstellung tatsächlich zutrifft, ist das Leben ein bedeutungsloser Zufall der Natur. Falls es überhaupt einen Sinn gibt, bezieht er sich ausschließlich auf das Schicksal des Universums, und der Mensch ist irrelevant. Bertrand Russell drückt es folgendermaßen aus: „Vielleicht hat das Universum einen Zweck, aber das, was wir wissen, deutet nicht darauf hin, dass er, falls er überhaupt existiert, irgendeine Ähnlichkeit mit dem unseren hat.“
Wenden wir uns der Schilderung der menschlichen Evolution in Richard Dawkins’ Das egoistische Gen zu. Laut Dawkins findet die natürliche Selektion auf der Ebene des Gens, nicht auf der des Organismus oder der Spezies statt. Das heißt, dass individuelle Organismen - auch der Mensch - „Überlebensmaschinen“ sind, gebaut nach den in der DNA kodierten Instruktionen, mit dem „Ziel“, das Überleben des Gens zu sichern, nicht das des gesamten Organismus. Aus biologischer Sicht wäre somit das Leben eines einzelnen Menschen nicht von vorrangiger Bedeutung. Wichtiger ist, dass die Gene dieses Menschen weitergegeben werden und überleben.
Ich habe den Ausdruck „Ziel“ in Anführungszeichen gesetzt, weil wir Genen oder Organismen keine Ziele im herkömmlichen Sinn zuschreiben können, weil Gene keine Wünsche oder Ziele haben, seien sie bewusst oder unbewusst. Gene überleben, wenn sie eine Wirkung haben, erstens auf die Organismen, in denen sie sich befinden, und zweitens auf die Umgebung, die ihrem Überleben zuträglich ist. Da diejenigen, die überleben, qua Definition die ihr Überleben sichernden Charakteristika besitzen, wirkt es so, als dienten diese Merkmale dem Zweck, ihr Überleben zu sichern. Doch dieser Zweck ist nicht vorherbestimmt. Dawkins glaubt auch nicht, dass die „egoistischen“ Gene im wörtlichen Sinne ichbezogen oder egoistisch sind.
Und was heißt das für den einzelnen Menschen oder den homo sapiens allgemein? Wenn wir überhaupt einem Zweck dienen, dann bestenfalls dem, die weitere Existenz unserer Gene zu sichern. Und schlimmstenfalls dürfen wir überhaupt nicht von Zweck oder Sinn sprechen, weil der Prozess willkürlicher Mutation und Reproduktion keinerlei Zweck oder Ziel hat. Wie es in dem Song von Monty Python so schön heißt: „Wir sind einfach nur spiralförmige Windungen sich selbst kopierender DNA.“

Um noch einmal Bertrand Russell zu zitieren: „In der sichtbaren Welt ist die Milchstrasse ein winziger Teil; innerhalb dieses Teils ist das Sonnensystem ein unendlich kleiner Fleck, und in diesem Fleck ist unser Planet ein mikroskopischer Punkt. Auf diesem Punkt kreuchen winzige Klümpchen unreinen Kohlenstoffs und Wassers von komplizierter Struktur mit ein wenig ungewöhnlichen physischen und chemischen Eigenschaften ein paar Jahre lang herum, bis sie sich irgendwann wieder in die Elemente auflösen, aus denen sie bestehen.“ So betrachtet, ist das menschliche Leben tatsächlich ein ziel- und bedeutungsloser Zufall.


Sartres Brieföffner

Zu diesem Schluss kamen nach allgemeiner Ansicht die meisten existentialistischen Philosophen des ausgehenden neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Eine oberflächliche Lektüre ihrer Haupttexte scheint diese Interpretation zu bestätigen. Friedrich Nietzsche bezeichnete sich selbst als den „ersten perfekten Nihilisten Europas“; der bekannteste Gedanke von Albert Camus ist der von der „Absurdität“ des Lebens; Jean-Paul Sartre sprach von „Angst, Verlassenheit und Verzweiflung“. Durch die Verabschiedung des Übernatürlichen aus der Weltsicht der Moderne ist das Universum seiner Bedeutung beraubt, und das Leben hat keinen Sinn mehr.
Doch selbst wenn wir uns nur auf die kanonischen Texte des Existentialismus beschränken, präsentiert sich das Gesamtbild nicht ganz so düster, wie die oben erwähnten Zitate vermuten lassen. Wenden wir uns beispielsweise Sartres Der Existentialismus ist ein Humanismus zu, ursprünglich ein Vortrag, der die Grundlagen des Existentialismus erklären sollte. Darin spricht Sartre in der Tat von Angst, Verlassenheit und Verzweiflung, behauptet aber auch, der Existentialismus sei „optimistisch“. Kritische Leser mögen das als Beweis für die mangelnde Schlüssigkeit von Sartres Argumentation verstehen, sensiblere Interpreten jedoch verstehen es als Warnung, einige der zugespitzteren Aussagen des Existentialismus für bare Münze zu nehmen.
Wird das, was „Existentialisten“ über den Sinn des Lebens zu sagen haben, zu sehr generalisiert, kann das in die Irre führen, weil die Denker, die man gemeinhin als Existentialisten bezeichnet, sehr unterschiedliche Übersetzungen hatten. Zum Beispiel waren viele der bekanntesten von ihnen zwar Atheisten - darunter Sartre, Nietzsche und Camus -, aber es gab auch gläubige Existentialphilosophen, so etwa Sören Kierkegaard, Gabriel Marcel oder Karl Barth.
Allerdings haben die atheistischen Existentialisten eine Gemeinsamkeit, die eine wichtige Rolle für unsere Diskussion des Naturalismus spielt. Die „Entdeckung“, dass es keinen Gott gibt, hat unstrittig zu einer Sinnkrise für den Menschen geführt. Das liegt daran, dass wir annahmen, Zweck und Moral gründeten in etwas außerhalb von uns selbst. Und als diese Annahme ihre Gültigkeit verlor, war plötzlich auch der Ursprung für den Sinn des Lebens verschwunden.
Sartre erklärt das mit der Analogie des Brieföffners. Ein Brieföffner hat ein festgelegtes „Wesen“, weil er von jemandem hergestellt wurde zu dem Zweck, eine bestimmte Funktion zu erfüllen. Ein scharfer Feuerstein hingegen besitzt kein Wesen, auch wenn man ihn zum Schneiden von Papier verwenden könnte. Der Mensch hat nur zufällig eine Verwendungsmöglichkeit für ihn gefunden.
Sartre argumentiert, dass wir uns selbst als Brieföffner, nicht als Feuerstein sehen. Wir glauben, eine wesentliche Natur zu besitzen, weil Gott uns zu einem bestimmten Zweck erschaffen hat. Doch wenn Gott nicht existiert und die Annahme der Naturalisten stimmt, ist dieses Bild nicht mehr richtig. Wir werden zu Feuersteinen, die einfach nur sind. Vielleicht finden wir Verwendung für uns selbst und andere, aber diese Zwecke lassen sich nicht von unserer wesentlichen Natur herleiten. Und wenn der Naturalismus Recht hat, gilt diese Aussage für das gesamte Universum und alles in ihm.
Es gibt mindestens zwei Reaktionsmöglichkeiten auf dieses düstere Szenario. Man kann hinnehmen, dass das Leben sinnlos ist, oder man stellt die Annahme in Frage, dass wir wie Brieföffner sein müssen, damit das Leben einen Sinn hat. Die Sinnkrise, auf die die atheistischen Existentialisten hinweisen, lässt sich auf unsere Erkenntnis zurückführen, dass das, was unserer Meinung nach für Menschen gilt - ihr Daseinszweck wurde ihnen von ihrem Schöpfer gegeben - in Wahrheit falsch ist. Doch das muss dem Leben nicht allen Sinn nehmen, sondern führt uns möglicherweise lediglich zu dem Schluss, dass der Ursprung des Lebenssinns nicht dort zu suchen ist, wo wir ihn vermuten.
Etwa in diese Richtung geht Sartres denken. Laut Sartre müssen wir erkennen, dass Zweck und Sinn dem menschlichen Leben nicht per se innewohnen und wir daher selbst dafür verantwortlich sind, sie uns zu schaffen. Das Leben ist also nicht ohne Sinn, es hat lediglich keine im Voraus festgelegte Bedeutung. Folglich müssen wir uns unserer Verantwortung, uns selbst einen Sinn zu schaffen, stellen, und davor würden wir uns nach Ansicht Sartres lieber drücken. Wir zögen es vor, so zu tun, als wäre die Art, wie wir leben beziehungsweise leben sollten, nicht uns selbst überlassen, sondern vom Schicksal, von einem höheren Plan oder äußeren Einflüssen abhängig.
Der Gedanke, dass unser Schicksal letztlich in unseren eigenen Händen liegt, dass es uns freisteht, uns selbst Ziel und Sinn zu schaffen, kann befreiend wirken und Kraft geben. Vielen jedoch erscheint er leer und hohl. Das ist, als begegneten wir der Realität eines sinnlosen Universums, indem wir einfach beschlössen, uns selbst einen Sinn auszudenken. Aber so ein frei erfundener Sinn ist eben kein echter Sinn. Der Sartresche Sinn ist ein Pseudosinn, existentialistische Werte sind Pseudowerte.
Doch warum sollte ein nachträglich zugewiesener Sinn weniger Wert sein als ein im Voraus festgelegter, und warum sollte nur letzterer dem Leben eine Bedeutung verleihen können? Es gibt keine Regel, nach der ein Sinn „echter“ oder wichtiger, wenn er bereits in der Planungsphase eingeführt wird. Sehen wir uns zur Illustration dieses Gedankens die Geschichte der Post-it-Zettel an. Ihr mehrfach verwendbarer Kleber wurde 1968 von einem Forscher entdeckt, der für 3M arbeitete. Doch weder er noch irgendjemand sonst in dem Unternehmen hatte eine Ahnung, wozu man einen solchen Kleber verwenden könnte. Sechs Jahre später kam ein anderer Forscher von 3M auf die Idee, ein leicht klebendes Lesezeichen zu verwenden, weil er es satt hatte, im Kirchenchor immer wieder die Seiten seiner Chornoten zu verblättern. Und plötzlich wurde der bereits entdeckte Kleber sinnvoll. Inzwischen geht nichts mehr ohne Post-it-Zettel.
Post-it-Zettel sind vielleicht ein triviales Beispiel, aber sie verdeutlichen, dass es letztlich nicht zwangsläufig auf die Absicht des Erfinders ankommt, sondern auf die Verwendungsmöglichkeiten der Erfindung.
Natürlich ist das menschliche Leben etwas ganz anderes, aber auch darauf lässt sich diese Logik anwenden. Wichtig ist, dass das Dasein für uns einen Sinn hat, und zwar hier und jetzt. Ob dieser Sinn von einem Schöpfer erdacht wurde oder ob wir selbst ihn bestimmen, ist dabei nicht wesentlich. Wenn es uns gelingt, dem Leben Bedeutung zu verleihen, gibt es keinen Grund, warum diese weniger wert sein sollte als die, die ihm von einem Schöpfer gegeben wurde.
Ein im Voraus festgelegter Sinn könnte das Leben sogar weniger bedeutungsvoll machen. Stellen wir uns zum Beispiel einen modernen Frankenstein vor, der einen Menschen zu dem einzigen Zweck schafft, sein Haus zu putzen. Ein solches Leben besäße doch sicher weniger Würde und Sinn als das eines Menschen, der in ein naturalistisches Universum hineingeboren würde. Für ein solches Geschöpf wäre es besser, seinen Sinn selbst bestimmen zu können, als einfach nur die Wünsche seines Schöpfers zu erfüllen.
Dies ist einer der Gründe, warum Sartre seinen Existentialismus für optimistisch hielt. Weil der Mensch die Macht hat, den Zweck seines Daseins selbst zu bestimmen, besitzt er ein größeres Potential zu einem sinnvollen Leben als ein bloßes Artefakt, dem von seinem Schöpfer ein Wesen zugewiesen wird. Denn die Fähigkeit, seinen Zweck selbst zu wählen, ist Teil dessen, was nach Sartres Ansicht das bewusste „Für-sich-sein“ vom unbewusstem „An-sich-sein“ unterscheidet. Das Für-sich-sein ist in der Lage, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und es mit bewussten Gedanken zu lenken, während das An-sich-sein lediglich das sein kann, was es ist und wozu andere es benutzen.
Und wie verhält sich dieser Gedanke zur Sinnfrage in einer naturalistischen Welt, in der das Universum nicht das Ergebnis eines intelligenten Plans, sondern natürlicher Kräfte ist? Hier resultiert die Erklärung, warum wir hier sind, nicht in einer Antwort auf die Frage, welchen Sinn unser Leben möglicherweise hat. Das scheint auf eine Form des Nihilismus mit einem Universum ohne Sinn hinauszulaufen. Doch zu diesem Schluss gelangen wir nur, wenn wir von der falschen Voraussetzung ausgehen, dass ein solcher Sinn im menschlichen Leben bereits angelegt ist. Dass wir keinen Sinn oder Zweck im Ursprung menschlichen Lebens finden können, muss nicht zu der Annahme führen, das menschliche Leben selbst habe keinen Sinn oder Zweck.
Viele dieser Gedanken wurden zum ersten Mal von den Existentialisten formuliert, doch Denker unterschiedlichster Couleur pflichten ihnen bei. Daniel C. Dennett beispielsweise, ein zeitgenössische amerikanischer Philosoph, den wohl niemand als Existentialisten bezeichnen würde, schreibt: „Warum sollte sich unser Sinn von einer höheren Macht herleiten? (Ich nenne das die trickle-down-Theorie - alles Wichtige muss seine Bedeutung von etwas noch Wichtigerem erhalten.) Warum können wir nicht unseren eigenen Sinn erfinden?“
Sie werden im Folgenden immer wieder Argumente für diesen Gedanken finden, wenn wir uns mit anderen Möglichkeiten für ein sinnvolles Leben beschäftigen und zu der These zurückkehren, dass das menschliche Leben selbst letztlich der Ursprung seines Sinns ist. Doch zuerst müssen wir uns mit der Alternative zur naturalistischen Sicht befassen: Dass Ursprung und Sinn des Lebens sich durch einen bewussten Entwurf erklären lassen.


Adams rätselhafter Zweck

Bis heute wehren sich die meisten Menschen gegen die naturalistische Sicht, dass das Universum das Ergebnis blinder, zielloser Kräfte sei. Sie glauben, es müsse einen Schöpfer haben, den sie normalerweise „Gott“ nennen.
Dieser Glaube spiegelt sich in den unterschiedlichsten Schöpfungsgeschichten der Weltreligionen. Juden und Christen beziehen sich auf die Genesis, in der Gott die Welt in sechs Tagen erschuf. In den hinduistischen Puranas spielen Vishnu, Brahma, die Schlange Shesha und ein kleines goldenes Ei eine wichtige Rolle. Die meisten Menschen sehen diese Geschichten als Mythen an, doch viele halten sie für im wörtlichen Sinne wahr.
Wieder andere akzeptieren solche Mythen zwar nicht als buchstäbliche Wahrheit, aber sie glauben durchaus an Gott als letzten Ursprung und daran, dass die Geschichten von Genesis und Puranas Metaphern für die wissentliche und willentliche Erschaffung des Universums zu einem bestimmten Zweck sind. Verfechter der Idee eines kosmischen Schöpfers untermauern ihren Glauben bisweilen durch spitzfindige Argumente, doch er beruht vermutlich häufiger auf dem instinktiven Gefühl, dass das Universum nicht nur seelenlose Materie sein kann.
Eugene Cernan, der letzte Mensch, der bisher den Mond betreten hat, sagt zum Beispiel: „Wer seine fünf Sinne beieinander hat und die Sterne und die ewige Schwärze da draußen betrachtet, kann sich der Spiritualität dieser Erfahrung und der Existenz eines höchsten Wesens nicht verschließen.“ Solche Aussagen sind jedoch Ausdruck einer persönlichen Überzeugung- Wenn Cernan von seiner eigenen spirituellen Erfahrung zu der Behauptung, es gebe einen Schöpfer, springt, liefert er anderen keine Argumente oder Gründe dafür, seinen Glauben zu teilen. Er postuliert lediglich, dass jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, mit der gleichen Gewissheit glauben wird wie er.
Wie beim Naturalismus geht es mir auch bei den unterschiedlichen kreationistischen Modellen nicht darum, die Theorien zu bewerten, sondern ich möchte feststellen, was sie über Sinn und Zweck des Lebens aussagen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich nicht völlig unvoreingenommen bin. Meiner Meinung nach sind die Schöpfungsgeschichten der religiösen Schriften offensichtlich falsch, weil sie sich gegenseitig widersprechen und auch und auch im Widerspruch zu unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Ursprung des Universums sehen. Und wie die meisten zeitgenössischen Philosophen bin ich nicht überzeugt von den so genannten kosmologischen und theologischen Argumenten in der Philosophie, die zu demonstrieren versuchen, dass Gott der erste Grund oder Schöpfer des Universums sein muss.
Aber nehmen wir einmal an, dass ich mich täusche und die kreationistischen Theorien stimmen. Wie wir bereits gesehen haben, glauben die Menschen gern, dass das Leben keinen Sinn und Zweck hat, wenn kein Schöpfergott existiert. Doch es erschließt sich auch nicht, inwiefern ein solcher Sinn oder Zweck mit einem Schöpfergott existiert. Aus dem Glauben an eine Erschaffung des Universums folgt offenbar lediglich, dass der Schöpfer sich irgendeinen Sinn für uns vorstellt. Worin dieser Sinn besteht und ob wir damit einverstanden wären, bleibt im Ungewissen.
Dies ist als Kritik an der Religion oder als Argument gegen sie gedacht, es ist lediglich ein Hinweis auf die Grenzen religiöser Erklärung, den auch Gläubige akzeptieren sollten (oft tun sie das sogar). Kein Christ oder Jude wird mit Hilfe seiner heiligen Schriften in der Lage sein, eine angemessene Antwort auf die Frage zu liefern, warum Gott uns schuf. Die Genesis zitiert lediglich Gottes Anweisung: „Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ (Genesis 1, 28)
Später werden die Erklärungen für den Sinn und Zweck des Menschen sogar noch banaler: „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte“, heißt es da (2,15), und Eva sei geschaffen worden, denn „eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht“ (2, 20). Viele deuten das als Auftrag an den Menschen, sich um die Erde zu kümmern. Aber wir haben keine Ahnung, warum sich überhaupt jemand darum kümmern sollte oder warum die Erledigung dieser Aufgabe unserem Leben Sinn verleihen könnte.
Natürlich würde kein Christ oder Jude, der diese Schriften für heilig hält, behaupten, dass darin erschöpfend erklärt ist, warum Gott uns schuf. Doch auch andere religiöse Lehren liefern keine angemessene Erklärung. Zum Beispiel heißt es oft, dass wir auf der Erde sind, um Gottes Willen zu tun. Würde das stimmen, wären wir wie das an anderer Stelle beschriebene Hausputzmonster. Dann hätte unser Leben zwar einen Sinn für das Wesen, das uns geschaffen hat, nicht aber für uns. Wir wären alle wie Sartres „An-sich-sein“ - ein Objekt zum Nutzen anderer -, kein „Für-sich-sein“ - ein bewusstes Wesen, das für sich selbst sinnvolle Entscheidungen trifft. Herauszufinden, dass unser einziger Zweck darin besteht, Gott zu dienen, wäre vielleicht sogar ein schlimmeres Schicksal, als überhaupt keinen vorherbestimmten Sinn zu besitzen. Ist es besser, ein Sklave mit prädeterminierter Rolle im Universum zu sein, oder ein freier Mensch, der sein Schicksal selbst bestimmen kann?
Die Theorie, dass wir geschaffen wurden, um Gott zu dienen, ist nicht nur deshalb fragwürdig, weil sie der Menschheit die Würde nimmt. Sie wirkt sogar innerhalb der Weltsicht der Religionen, die sie verfechten, wenig plausibel. Klingt es nicht unwahrscheinlich, dass das Höchste Wesen sich lediglich durch seinen Wunsch, ihm dienende Geschöpfe zu besitzen, dazu verleiten lässt, Menschen in all ihrer Komplexität und mit allen Leiden und Mühen zu schaffen, die das menschliche Leben mit sich bringt? Dann wäre Gott ein egoistischer Tyrann, der seine Macht dazu nutzt, sich mit Speichelleckern zu umgeben. Das ist nicht der Gott, den die meisten Gläubigen verehren, und folglich ergibt der Gedanke, dass wir nur hier sind, um Gott zu dienen, keinen ernsthaften Sinn.
Eine plausiblere Antwort lässt sich in den Worten Jesu im Johannes-Evangelium finden: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Johannes 10, 10) - Auch wenn sie nicht sonderlich erhellend ist. Selbst Atheisten könnten sich damit anfreunden, denn auch ihrer Meinung nach sollten wir das Dasein auskosten, und zwar nicht, weil das die Absicht Gottes wäre, sondern weil dies das einzige Leben ist, das wir haben, und wir deshalb das Beste daraus machen müssen. Natürlich ist der Gedanke banal: Wer würde nicht meinen, dass Menschen Leben haben und es in Fülle haben sollten?
Außerdem sagt diese Antwort uns nicht, was das eine Dasein erfüllbar macht als das andere. Viele Gläubige würden erwidern, gerade das sei doch der Zweck der heiligen Schriften: Folge dem Rat, den sie geben, dann wirst du ein erfüllteres Leben haben. Doch nur Fundamentalisten halten sich streng an diese Empfehlung; die meisten Gläubigen bedienen sich ihres eigenen Urteilsvermögens. Sie wenden die Regeln ihrer heiligen Schrift nur dann an, wenn sei meinen, dass diese einem besseren Leben für alle förderlich sind. Wenn nicht, werden die betreffenden Passagen kurzerhand ignoriert. Kaum jemand dürfte sich beispielsweise an folgende Vorschriften halten: „Jeder, der seinen Vater oder seine Mutter verflucht, wird mit dem Tod bestraft.“ (Levitikus 20, 9) Oder: „Auch von den Kindern der Halbbürger, die bei euch leben, aus ihren Sippen, die mit euch leben, von den Kindern, die sie in eurem Land gezeugt haben, könnt ihr Sklaven erwerben. Sie sollten euer Eigentum sein, und ihr dürft sie euren Söhnen vererben, damit diese sie als dauerndes Eigentum besitzen; ihr sollt sie als Sklaven haben.“ (25, 45-46)
Und das ist, meine ich, nur vernünftig. Aber es bedeutet auch, dass Gläubige sich an einer einfachen Regel orientieren: Tu, was die heiligen Schriften dir sagen, wenn das ein besseres Leben für alle zur Folge hat, und ignoriere sie, wenn dem nicht so ist. Letztlich entspricht das einer noch einfacheren Vorgabe: Tu, was zu einem besseren Leben für alle führt. So gesehen, besitzen die heiligen Schriften keine besondere Autorität mehr, und die Regeln, um die es geht, können auch Nicht-Gläubige akzeptieren. Folglich muss der Gedanke, dass der Sinn unseres Daseins in einem erfüllten Leben besteht, nicht notwendigerweise auf irgendwelchen von Gott gegebenen Anweisungen basieren.
Wenn diese Antwort also einen religiösen Sinn haben soll, muss sie an die Vorstellung von einem Leben nach dem Tode gekoppelt sein. Umfasst ein erfülltes Dasein auch ein Leben nach dem Tod, trennen sich atheistische und religiöse Überzeugungen. Mit dieser Frage werde ich mich allerdings erst später beschäftigen. Fürs Erste sollten wir uns nur merken, dass sich der Gedanke, Gottes Plan für uns bestehe darin, ein erfülltes Leben zu führen, lediglich durch den Glauben an ein Leben nach dem Tod von der banalen Forderung, das Leben auszukosten, unterscheidet.
Vermutlich würden die meisten nachdenklichen Gläubigen die Behauptung Gottes Plan für uns bestehe darin, ihm zu dienen oder ein erfülltes Leben zu führen, auch nicht für angemessen halten. Sie können sich wohl eher auf eine Formulierung einigen, die da lautet, dass die Existenz Gottes für die Existenz eines Zwecks spricht - denn Gott hätte uns nicht ohne einen solchen Zweck geschaffen -, dass wir diesen Zweck allerdings nicht kennen. Der Glaube fordert von uns, Gott sowie seinen Plänen für uns zu vertrauen. Wie Jesus im Johannes-Evangelium sagt: „Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ (14, 1-2) Dies ist eine in sich schlüssige Aussage, der sich wahrscheinlich die meisten Gläubigen anschließen würden. Doch sie setzt voraus, dass sie zugeben, auch nicht mehr Ahnung vom Sinn des Lebens zu haben als Atheisten. Die oben beschrieben Auffassung lässt sich folgendermaßen auf den Punkt bringen: Ein Gott, über dessen Existenz wir nichts wissen, hat einen Plan, den wir nicht begreifen, und zwar für ein Leben nach dem Tode, für das wir keine Beweise besitzen. Außerdem müssen wir darauf vertrauen, dass es sich um einen Plan handelt, der uns gefällt. Falls es sich herausstellen sollte, dass unser Zweck darin besteht, bis in alle Ewigkeit gegen die Horden Satans zu kämpfen, oder auch nur darin, alle Schicksalsschläge des Lebens stoisch zu ertragen, sind wir vielleicht gar nicht so begeistert über diesen Plan Gottes für uns.
Der Glaube, dass wir von Gott zu einem bestimmten Zweck geschaffen wurden, gibt uns keine angemessene Erklärung für den Sinn des Lebens. Religionen schweigen sich über diesen Sinn aus. Dass er darin besteht, Gott zu dienen, klingt wenig plausibel und scheint auch den meisten Vorstellungen von Gottes Wesen zu widersprechen. Die Theorie, er bestehe darin, ein erfülltes Leben zu führen, ist banal; der Gedanke wird nur durch den Glauben an ein Leben nach dem Tode interessant. Und die Forderung, einfach auf Gottes Plan zu vertrauen, ist das Eingeständnis, dass wir keine Antwort auf die Frage haben, warum wir hier sind, und alles dem Unbekannten überlassen müssen. Folglich liefert der Glaube, dass unsere Ursprünge bei einem übernatürlichen Wesen liegt, uns keine Erklärung für den Sinn oder Zweck des Lebens. Im besten Falle stärkt er uns in der Überzeugung, dass es überhaupt einen solchen Sinn gibt.


Der Weihnachtsmann und Frankenstein

Daher überrascht es nicht, dass eine Beschäftigung mit dem Warum unseres Daseins im Hinblick auf unsere Ursprünge auch zu keinen weiteren Erkenntnissen geführt hat. Wenden wir uns noch einmal Frankensteins Geschöpf zu. Anders als uns gelingt es ihm tatsächlich zu entdecken, warum und zu welchem Zweck es geschaffen wurde, weil es zufällig auf das Tagebuch Frankensteins stößt, das dieser in den vier Monaten vor der Erschaffung des Monsters führte. Und das Geschöpf reagiert mit Wut und Verzweiflung. „Vermaledeiter Schöpfer!“ ruft es aus. „Was musstest du ein Monstrum formen, von dem selbst du voll Grauen dich gewandt?“
Doch diese Erkenntnis hat keinen wesentlichen und dauerhaften Einfluss auf das Leben des Geschöpfs und seine Suche nach Sinn. In vielerlei Hinsicht befindet es sich, nachdem es die Wahrheit über seinen Ursprung entdeckt hat, in genau der gleichen Lage wie zuvor: Es ist immer noch ein Ausgestoßener, gefürchtet von den Menschen, auch wenn es sich nach ihrer Gesellschaft und Zuneigung sehnt. Das, was es über seine Herkunft herausgefunden hat, hilft ihm nicht, mit den Fakten zurechtzukommen. Am Ende meint es, dass sich sein Leben nur mit einer weiblichen Gefährtin einigermaßen erträglich gestalten lasse, und genau die fordert es von Frankenstein.
Mary Shelley tat gut daran zu zeigen, dass das Wesen des Geschöpfs um seinen Ursprung ihm nicht den Sinn seines Lebens enthüllt, denn der Blick auf die Vergangenheit wird uns nichts über unsere gegenwärtige Lage und unsere Aussichten für die Zukunft verraten. Die Vorstellung, dass er es doch tut, lässt sich mit dem Begriff „genetic fallacy“ - etwa „Irrglaube über die Herkunft“ - umschreiben, den die Philosophen Morris Cohen und Ernest Nagel prägten. Er bezog sich ursprünglich auf den Fehler, die Quelle eines Glaubens mit seiner Rechtfertigung zu verwechseln. Mittlerweile wird die Bezeichnung lockerer verwendet, nämlich für jegliche Verwechslung zwischen einer Darstellung der Ursprünge und einer Darstellung des gegenwärtigen oder künftigen Wesens von etwas.
Dieser Fehler lässt sich durch die Behauptung, die Etymologie eines Ausdrucks verweise immer sinnvoll auf den gegenwärtigen Gebrauch, illustrieren. Betrachten wir zum Beispiel den Ursprung des englischen Wortes „digit“ - Finger, aber auch Ziffer. Es leitet sich vom lateinischen „dicere“ her, was soviel bedeutet wie sagen, erzählen oder auf etwas hinweisen. Das führte zu der Bedeutung Finger, und weil diese zum Zählen verwendet werden, ergab sich daraus auch die Bedeutung Ziffer. Das ist alles höchst interessant, doch wenn man wissen möchte, was gemeint ist, wenn jemand von einer „three-digit figure, einer dreistelligen Zahl, spricht, hilft das Wissen um den Ursprung des Wortes „digit“ nicht weiter. Wer zu viel um den Ursprung nachdenkt, wird möglicherweise in die Irre geführt.
Auch in anderen Bereichen kommt es vor, dass man der Herkunft zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Was wäre zum Beispiel, wenn die Geschichte stimmte, dass der Mantel des Weihnachtsmannes ursprünglich grün war, bis die Hersteller von Coca-Cola in den dreißiger Jahren auf die Idee kamen, Santa Claus in ihren Werbekampagnen in die Unternehmensfarben rot und weiß zu kleiden? Würde das bedeuten, dass alle Weihnachtsmänner heute unterschwellig Werbung für Coca-Cola machen? Manche Kapitalismusgegner mögen das glauben, aber plausibel wirkt eine solche Behauptung nicht. Die Kampagne würde erklären, warum der Mantel des Weihnachtsmannes rot wurde, aber nicht, wie sein Image heutzutage funktioniert.
Wenn wir uns mit der Quelle und dem Zweck des Lebens befassen, können wir in eine ähnliche Falle tappen. Sie besteht darin zu glauben, dass wir, wenn wir Erkenntnisse über die Ursprünge des Daseins haben, dadurch automatisch auch etwas über seinen Sinn oder gegenwärtigen Zweck erfahren. Doch aus dem einen ergibt sich nicht notwendigerweise das andere. Ein Feuerstein oder ein Kleber, die ohne jeden Zweck entstanden, können später durch den Menschen, der sie verwendet, einen Zweck erhalten. Ein Gebäude, das zu einem bestimmten Zweck errichte wurde, beispielsweise en Mauthäuschen, kann seinen Sinn verlieren, wenn für die Benutzung der Straße keine Gebühren mehr erhoben werden. Ein ursprünglicher Zweck oder Nichtzweck legt den Sinn des Objekts nicht für alle Zeiten festen. Zwecke können erworben werden oder verloren gehen oder sich ändern. Deshalb hat das Nachdenken über den Ursprung des Lebens uns nicht zu einer eindeutigen Antwort auf die Frage nach seinem Sinn verholfen und ebenso wenig zu einer Erklärung, warum die naturalistische Überzeugung, das Leben sei nicht zu einem bestimmten Zweck geschaffen worden, nicht bedeutet, dass das Leben keinen Sinn haben kann.

Von Julian Baggini
(Denkanstöße 2006)

Donnerstag, 1. September 2005

Heute:

10 Dinge, die ich nicht verstehen kann will:

1. Der Akku des Handys ist dann leer, wenn man keine Steckdose und viel zu erzählen hat. Natürlich kann es auch sein, dass man eine Steckdose hat, aber kein passendes Ladekabel.

2. Es läuft ein Film im Kino immer bis kurz vor dem Zeitpunkt, an dem man sich entschließt, den Film zu sehen.

3. An öffentlichen Orten jeglicher Art wollen immer alle Leute zur gleichen Zeit auf die Toilette.

4. Die CD, die man im Sortiment des Händlers seines Vertrauens zum Kauf auserkoren hat, ist grundsätzlich die Teuerste in Selbigem. Diese Regel gilt übrigens für alles, was man sich aussucht.

5. Wenn man sich bei einem Termin beeilt, um noch eine Sendung im Fernsehen zu sehen, beginnt in dem Moment die Werbung, in dem man gehetzt zu Hause ankommt - man hätte sich also noch etwa sieben Minuten länger Zeit lassen können.

6. Der einzige Pullover, den man in einem Katalog leiden mag und bestellen will, ist ausverkauft. Ich muss natürlich nicht erwähnen, dass alle anderen Pullover noch vorrätig sind.

7. Es beginnt zu regnen, wenn man das Haus verlässt, und es hört auf zu regnen, wenn man wieder hinein geht. (Das ist für mich persönlich allerdings nicht besonders enttäuschend.)

8. Eine Mücke weiß, an welchen Stellen man sich nicht ohne schmerzhafte Verrenkungen kratzen kann, und sticht zielsicher genau dorthin.

9. Wenn man etwas kauft, kostet es am nächsten Tag weniger.

10. Ich fahre an einer Reihe besetzter Parkplätze (direkt vor dem Zielort) mehrmals vorbei, und will mein Auto abstellen. Nachdem ich mehrere Mal "um' Pudding" gefahren bin, parke ich weiter entfernt. Wenn ich dann an den besetzten Parkplätzen zu Fuß vorbeigehe, fahren plötzlich mindestens die Hälfte der Autos weg.

Mittwoch, 31. August 2005

Ergebnis



des "Vor-Der-Sauna-Auf-Den-Wellnesliegen-Schlaf-Gespräches".
Eigentlich: Eines der Ergebnisse.

Sonntag, 28. August 2005

BodenseeRegen.

giesskannen
Vor meinem Fenster ist dann also ein Engel mit einer Gießkanne vorbeigeflogen. Oder besser gesagt, er ist nicht vorbeigeflogen, er flatterte die ganze Zeit auf der einen Stelle über meinem Dach, und er hatte eine Gießkanne dabei, aus der er den Regen über meine Fenster plätschern ließ. Es war ganz schön viel Regen! Entweder, er muss eine wirklich große Gießkanne benutzt haben, oder sie war einfach mit endlos viel Wasser gefüllt; es war immerhin eine EngelsGießkanne, und wer weiß schon, was die so alles können.
Und dann waren da noch die ganzen anderen Fenster, die zu anderen Häusern gehören und über denen auch irgendwie Regen herunterfiel, keine Ahnung, ob die auch einen Engel hatten. Dann müsste es ja ganz schön viele geben. Und viele Gießkannen! Ich hab versucht, den einen vor meinem Fenster zu fotografieren, aber ich hab mal gelesen, dass man sie auf Bildern nie sehen kann. Ich hab gedacht - na, das haben sich die Vampire dann abgeschaut und die haben jetzt kein Spiegelbild mehr. (Ich glaub auch nicht, dass sie je eines hatten) Gab es eigentlich zuerst Vampire, oder zuerst Engel? Man weiß es nicht.

Blöd, wenn man als Engel dann plötzlich für den Regen zuständig ist - und nicht Schutzengel sein, oder in der Werkstatt des Weihnachtsmannes Geschenke einpacken darf. Oder obwohl ne, das machen ja diese kleinen Wichtel. Früher dachte ich immer, die Mainzelmännchen im Fernsehen wären eben diese Wichtel aus der Werkstatt, aber die Geschenke waren immer so hübsch eingepackt und die Mainzelmännchen kamen mir im Fernsehen nie besonders feinmotorisch talentiert vor.

Das Bild habe ich auf einem großen Grundstück direkt am Bodensee gemacht. Es hat geregnet an diesem Tag und ich und der Käptn wollten eigentlich im See baden, aber wir hatten leider nicht genügend Zeit und auch keine Handtücher; und außerdem durfte ich meine Schuhe im Kofferraum nicht so lange allein lassen. Das Wasser im Bodensee ist wirklich sehr sauber - vielleicht fliegen die Engel nachts dorthin und füllen ihre Gießkannen. Ich nehme an, dass sie entweder höher oder tiefer, oder vielleicht auch einfach schneller fliegen, als die Flugzeuge, sonst gäbe es ja ein Riesendurcheiniander. Oder nicht?

Freitag, 26. August 2005

Beeindruckomat:

salzhausen

Das gibt es ja wirklich!
Einfach so, direkt vor-
beigefahren.





Irre.

Donnerstag, 25. August 2005

SIN CITY

"Mich beschleicht Verwirrung, die die Grenze zur Besorgnis stürmt!"

(Keine Bilder, kein Bericht. FSK 18, und das zurecht. Und sehr geil.)

Mittwoch, 24. August 2005

Schnee-Edition!

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