Selbstschutz.

Ich weiß noch, wie ich mir den Futon geschnappt und ihn im Kellerflur ausgeklappt habe, weil mir dieser Ort als der sicherste im Haus erschien. Der Flur im Keller ist am weitesten von 'draußen' entfernt, wo ja das Gewitter tobte, und falls es einen Baum entwurzeln oder ein Blitz ins Dach schießen sollte, würden meine Überlebenschancen höher sein, als sie es in meinem Zimmer im ersten Stock waren.
Um dem Gewitter aber nicht nur visuell, sondern auch dessen bedrohlichen Geräuschen zu entfliehen, schnappte ich mir einen der FisherPrice-Kassettenrecorder der Zwillinge und schloss Sebes Kopfhörer an, mit einem Adapter, der den großen Anschluss des Recorders mit dem kleinen Stecker des Kopfhörers verbinden konnte. Ich hörte Benjamin Blümchen als Reporter, und hatte mir dann damit und mit Hilfe der Bettdecke die perfekte Selbstabschirmung vom tödlichen Unwetter geschaffen.

Das musste sein, denn in der vorangegangenen Nacht, als Sebe und ich im Keller QuackShot auf dem MegaDrive spielten und in diesem blöden Labyrinth im Palast endlich den richtigen Ausgang gefunden hatten (was total aufregend war, denn so weit waren wir vorher noch nieeee gekommen!), war das Gewitter schon einmal über uns gewesen. Mami und Papilein waren an diesem Abend bei Schorns eingeladen, waren also nur etwa 34 Meter vom Keller entfernt, und ich weiß, dass ich einen gleißenden und ebenso vernichtenden Blitz genau zwischen unserem und dem Nachbarhaus gesehen habe. Zwar hatte Mami die Telefonnummer von Schorns auf einen Zettel geschrieben, der neben dem Telefon lag, aber ich musste über Schutzmaßnahmen nachdenken. Papa sagte, dass wenn der Sturm tatsächlich einen der Bäume im Garten fällen würde, dieser erstens nicht in die Richtung des Hauses fallen wird, weil der Wind niemals Südwind ist, und dass er zweitens gar nicht hoch genug ist, um das Haus zu beschädigen - FALLS er DOCH in die Richtung umfällt - was wie gesagt gar nicht möglich war. Aber das wollte ich nicht glauben, vermutlich war es mir zu viel Konjunktiv.

Dass ich ein Gewitter Jahre später urgemütlich und in seiner übernatürlichen Gewalt als sehr beeindruckend empfinde, hätte ich damals nie gedacht.

Sonntag, 27. Mai 2007

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