»Das war ein guter Tag!«
Oh wie glücklich wären die Menschen hier gewesen, hätte Frau Holle ihre Kissen noch für zwei Tage auf der Fensterbank liegen lassen; so konnten wir nun wenigstens den verbleibenden tapferen Rest vom Schnee auf den Wiesen und in den Gärten bewundern. Der tragische, langsam siechende Tod der weißen Decke kurz vor Weihnachten war überwunden: Bevor wir das letzte Türchen öffnen durften, war glücklicherweise so viel Schnee in dieser Stadt gefallen, dass auch die aufkommende Milde ihn nicht zur Gänze schmelzen konnte.
Aber jetzt, wo Ihr alle friedlich in Euren Bettchen schlummert, schneit es erneut! Klirrend kalt ist es da draußen, und windstill, als hätte man das neue Jahr noch für ein Weilchen aufschieben wollen.
Dabei war das Ende des vergangenen Jahres ausgesprochen besinnlich, eine Frist wäre gar nicht nötig. Die kürzeste Woche im ganzen Jahr muss nur ein wenig ungezwungen und optimistisch angegangen werden, dann verpufft die Hektik ganz schnell im winterlichen Schneegestöber.

»(...) Das ist ein guter Tag, der über den Dächern der Stadt aufgeht,
wie all die unerwähnten, in Erinnerung verschwomm’nen.
Denn auch über dem unscheinbarsten, alltäglichsten weht
der Hauch des Einzigen und das Versprechen des Vollkomm’nen.
Ich bin bereit, zu lernen, seine Kostbarkeit zu sehn,
mich auf ihn einzulassen und ihm jede Chance zu geben,
ich bin bereit, den langen Weg bis ans Ende zu gehn,
und bis zum allerletzten Ton den Ausklang zu erleben.
Im Wissen, dass ich eines Tages nichts anderes mehr
erbitten und ersehnen, dass ich gar nichts auf der Erde
so sehr wie einen neuen Morgen, eine Wiederkehr
des unscheinbarsten, alltäglichsten Tags erflehen werde.
Und ich weiß, was ich sag’ -
Das ist ein guter Tag!«
Reinhard Mey
Aber jetzt, wo Ihr alle friedlich in Euren Bettchen schlummert, schneit es erneut! Klirrend kalt ist es da draußen, und windstill, als hätte man das neue Jahr noch für ein Weilchen aufschieben wollen.
Dabei war das Ende des vergangenen Jahres ausgesprochen besinnlich, eine Frist wäre gar nicht nötig. Die kürzeste Woche im ganzen Jahr muss nur ein wenig ungezwungen und optimistisch angegangen werden, dann verpufft die Hektik ganz schnell im winterlichen Schneegestöber.

»(...) Das ist ein guter Tag, der über den Dächern der Stadt aufgeht,
wie all die unerwähnten, in Erinnerung verschwomm’nen.
Denn auch über dem unscheinbarsten, alltäglichsten weht
der Hauch des Einzigen und das Versprechen des Vollkomm’nen.
Ich bin bereit, zu lernen, seine Kostbarkeit zu sehn,
mich auf ihn einzulassen und ihm jede Chance zu geben,
ich bin bereit, den langen Weg bis ans Ende zu gehn,
und bis zum allerletzten Ton den Ausklang zu erleben.
Im Wissen, dass ich eines Tages nichts anderes mehr
erbitten und ersehnen, dass ich gar nichts auf der Erde
so sehr wie einen neuen Morgen, eine Wiederkehr
des unscheinbarsten, alltäglichsten Tags erflehen werde.
Und ich weiß, was ich sag’ -
Das ist ein guter Tag!«
Reinhard Mey
