Neue Kategorie: Weihnachten mit Klein-Tobi

Heute: Die Sache mit den Plätzchen.

Ich erinnere mich nicht daran, wann die Weihnachtszeit begann.

Als ich ein kleiner Fanta war, da gab es immer diesen Tag, an dem man sich fragte: Oh, ist nicht eigentlich in drei Wochen schon der 1. Advent? Oder andere Leute sagten: Ey, nächste Woche ist schon der 1. Advent! Da war es ganz egal, ob jemand das zwei Tage vorher oder schon am 13. Oktober sagte, von diesem Tag an war Weihnachtszeit.
Ich hatte damals nie das Gefühl, dass es die Lebkuchen und die Schokoladenweihnachtsmänner in den Supermärkten zu früh gab. Ich mochte die ganzen bunten Süßigkeiten ohnehin nicht, ich wollte immer nur diese Kringel, die wie Chipsletten eingepackt waren und bei deren Genuss ständig diese kleinen weißen Streusel hinter den Backenzähnen verschwanden. Ich mochte keine Waffeleiner, mit Mandarinen konnte ich auch nichts anfangen, warum man Nüsse essen soll, habe ich nie verstanden (obwohl ich im Nussknacker eine innovative und unterhaltsame Erfindung sah) und Schokolade mit Gelee gefüllt war ganz, ganz eklig. Ich wollte nur diese Kringel und normale Schokoweihnachstmänner.

Bei den Keksen verhielt es sich ähnlich. Erstens wollte ich nicht einsehen, warum man diesen unfassbar leckeren Teig überhaupt im Ofen backen muss, wäre es nach mir gegangen, es hätte zum Nachtisch jeden Tag eine Schüssel mit Keksteig gegeben. Nun kamen die Kekse aber doch ins Rohr, und ich verstand noch etwas nicht: Wieso mussten die fertigen Kekse mit bunten Streuseln, chemischer Lebensmittelfarbe und ekligem Zuckerguss 'verzieren'? Für mich waren die Kekse fertig, sobald sie aus dem Ofen kamen.
Meine Lieblingskeksform war die eines Seehundes, (bei dessen Keksen dann immer die Schwanzflosse abgebrochen ist) ich erinnere mich an verschiedene Sterne, einen Mond und einen... Wal, glaube ich. Einen Weihnachtsbaum gab es, eine Sternschnuppe und einen kleinen VW-Käfer.
Das 'Plätzchenbacken' war ein in sich abgeschlossenes, vollkommen weihnachtliches Ereignis. Allein das sorglose und großzügige Verteilen von Mehl auf dem Ausziehtisch gab es zu keiner anderen Zeit im Jahr. Man hatte die Ärmel hochgekrempelt, manchmal hieß es auch, dass man dieses Hemd doch bitte nicht beim Backen anziehen soll, nicht, dass es noch 'eingesaut' wird. Ich kniete auf den Hockern (die leider letztes Jahr gegen meinen Willen im Sperrmüll vernichtet worden sind) und versuchte, auf dem plattgerollten Teig so viele Kekse wie möglich auszustechen. "Hier, guck' mal, hier kannst du noch einen von diesen hier machen, der Platz reicht doch!", hieß es dann, wobei doch jeder wusste: Je weniger Kekse man ausstach, und je unglücklicher sie auf dem Teig zueinander angeordnet waren, desto mehr 'Reste' zum Wegnaschen gab es.

Faszinierend am Ganzen ist, dass man die Kekse eigentlich nur machen und backen wollte.
Gegessen hat die bei uns niemand.

Nachts bin ich dann mit Sebe in die Küche geschlichen und habe nach dem restlichen Teig im Kühlschrank gesucht. Man musste so naschen, dass am nächsten Tag keine Spuren zu sehen waren, damals dachte man noch, die Eltern würden es tatsächlich nicht merken. (Was natürlich Unsinn ist)
Noch heute schmecke ich den Zucker im Teig, und ich höre immer noch das Quietschen des Nudelholzes. Heute ist der 26. September, draußen scheint die Sonne, beim Rewe liegen tonnenweise Lebkuchen mit Zartbitterschokolade, sogar Adventskalender habe ich entdeckt. Und trotzdem hat in diesem Jahr noch niemand gesagt: "Mensch sag' mal, in zwei Monaten ist schon der erste Advent!"

Nächstes Kapitel: Der Erste Advent

Dienstag, 25. September 2007

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