Drej

"An eine glänzende Marmorsäule gelehnt döste ich in der riesigen Eingangshalle. Ich hatte mit ein paar anderen Angestellten die halbe Nacht damit verbracht, die Koffer mit dem neuen Porzellan aus der Tiefgarage direkt in die Küche zu tragen, sie auszupacken und den Inhalt zu sortieren. Es waren etwa 75 Koffer von denen jeder ungefähr ein Pfund wog. Gerne hätte ich mir die Arbeit vereinfacht, aber ich hatte keine Wahl. In den meisten Koffern waren große Teller, die mit dem Emblem des Hotels verziert waren. Des Weiteren gab es jede Menge Weingläser in allen nur denkbaren Größen und Formen, die ebenfalls das Emblem des Hotels trugen. Fünf der Koffer waren voll mit Silberbesteck. Diese Koffer waren mit Vorhängeschlössern versehen, für die wir die Schlüssel an der Rezeption unten am Eingang zum Komplex des Küchenpersonals abholen konnten. Das Besteck war demnach offensichtlich sehr wertvoll, wir bekamen selten etwas für die Küche geliefert, das erst aufgeschlossen werden musste. Die sechs Lastwagen konnten die Koffer nicht direkt in die Tiefgarage für die Brandschutztür der Küche fahren, weil die Container zu Hoch für das Tor zu Tiefgarage waren, und so mussten wir das Geschirr die breite Auffahrt hinunter, durch die Tiefgarage zur Küche schleppen.
Für gewöhnlich bekamen wir keine Geschirrkoffer geliefert, der Eingang zur Tiefgarage war in erster Linie für die Lieferungen der Lebensmittel gedacht. Die Kühllaster konnten dann direkt bis zur Brandschutztür fahren und man konnte die Kartons direkt in die Kühlräume und Lager bringen. Vor zwei Jahren wurde der große Saal im Ostflügel, der direkt neben dem Esszimmer war, zum neuen Speisesaal renoviert und wir hatten damals einen neuen, größeren Ofen anschaffen müssen. Das war das einzige Mal, dass wir die Brandschutztür zur Küchen ausbauen mussten. Jedenfalls war es das einzige mal, seit dem ich hier arbeitete. Wenn der Vorstand oben im Saal eine Gesellschaft gab, dann war die Kapazität des neuen Ofens gerade noch ausreichend, um ein Fünf-Gänge-Menu für 380 Gäste zu bereiten.
(...)
Das Geschirr war extra für den Empfang des finnischen Generalsekretärs und seinem Stab samt Gemahlinnen bestellt worden. Das würde das größte und aufwendigste Menu werden, was unsere Küche jemals gezaubert hat, hatte es kurz nach Ankündigung des Besuchs geheißen. Seit vier Wochen liefen die Vorbereitungen dafür, und mit dem Eintreffen des Geschirrs fehlten jetzt nur noch das Essen. Der Besuch des Generalsekretärs war für Samstag angekündigt worden, wir hatten also noch vier Tage Zeit.
(...)"

Freitag, 21. Oktober 2005

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